…und es bleibt noch viel zu tun!
28.05.2008

Was leisten Kooperationsprojekte zu häuslicher Gewalt? Fachforum am 16. April 2008 in Rostock

…und es bleibt noch viel zu tun!
Zu diesem Schluss kamen die MitstreiterInnen des Kooperationsbündnisses CORA am 16. April 2008 in Rostock auf dem Fachforum anlässlich des 10. CORA - Jubiläums.

Über 100 Gäste sind unserer Einladung gefolgt, darunter der Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff, die Staatssekretäre Dr. Margret Seemann und Thomas Lenz, Abgeordnete aus der Rostocker Bürgerschaft und aus dem Landtag M-V sowie viele Weggefährtinnen und Kollegen aus 10 Jahre CORA.

Erinnerungen wurden wieder lebendig, wie z.B. die vorsichtige Annäherung zwischen Polizei, Frauenhaus, Staatsanwaltschaft, Jugendamt und Beratungsstellen. Ende der 90er Jahre, als alle lernten, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und versuchten, eine gemeinsame Sprache zu finden. Dann schon bald die ersten Erfolge: Der Wechsel von der Schlichtung von "Familienstreitigkeiten" zur konsequenten Gefahrenabwehr bei häuslicher Gewalt wurde deutlich in der Änderung des Polizeigesetztes in
M-V. Und auch die Einrichtung der Interventionsstellen war ein Meilenstein in unserem Bundesland bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Die Rede war von der institutionellen und individuellen Rückfallprophylaxe, da eine erfolgreiche Kooperation vielerorts zu sehr vom Engagement einzelner Personen ("Leuchttürme") abhängig und noch nicht sicher in den institutionellen Strukturen verankert ist.

Auch die Kooperation mit Täterarbeit und Gerichtshilfe zum besseren Schutz der Opfer ist noch nicht ausreichend. Die Etablierung einer Arbeit mit justiziell zugewiesenen Tätern ist ein Ziel, was noch in weiter Ferne zu stehen scheint.

Die Unterstützungssysteme müssen ausdifferenziert werden, das Opferbild in unserer Gesellschaft bedarf einer Diskussion. Stationäre Angebote wie die Frauenhäuser sind nach wie vor sehr wichtig und müssen abgesichert werden.

Gewalt in der Beziehung der Eltern ist Kindeswohl- gefährdung - für dieses Verständnis in den Institutionen muss noch viel getan werden.

Schlussendlich wurde festgestellt: Vernetzung und Kooperation sind Prozesse, die kontinuierlich weitergeführt werden müssen und keine Selbstläufer sind. Sie bedürfen der ständigen Koordination durch eine Vernetzungsstelle wie CORA.

Die kommenden Aufgaben von Kooperationsbündnissen sind lt. Aussage von Prof. Dr. Barbara Kavemann:

  • Thematische Erweiterung, z.B. Prävention, Gesundheit, Migration, Behinderung, Früherkennung
  • Gewinnen neuer Partner, z.B. im Gesundheitswesen, in den Communities oder im Kinderschutz
  • Ergebnissicherung und Qualitätssicherung
  • Stabilisierung bisheriger Kooperationsprozesse und Kooperationsverfahren