Begleitung während des Frauenhausaufenthaltes
Den Maßstab unserer Arbeit bilden die Interessen und Persönlichkeiten der Frauen und Kinder. Deshalb bestimmen die Bewohnerinnen selbst, welche Ziele sie erreichen wollen. Erfahrene Mitarbeiterinnen begleiten die Bewohnerinnen und unterstützen sie bei ihren Vorhaben.
Beratung und Begleitung in einer Krisensituation
Der Einzug ins Frauenhaus passiert für die meisten Frauen und Kinder nach akuter Gewalt, d.h. in einer für sie krisenhaften oder traumatisierenden Situation. Die meisten Frauen und Kinder erleben eine solche Situation nicht zum ersten Mal, da die häusliche Gewalt sich bereits über einen langen Zeitraum erstreckt hat. Die Folgen davon sind meistens Verzweiflung, Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Zukunftsangst und das Gefühl von Überforderung, aber auch Unruhe, Schlaflosigkeit, gesundheitliche Probleme. Diese Gefühle halten auch nach der Flucht in eine sichere Umgebung einige Tage oder Wochen an. Sie dürfen sein!
Die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus, aber auch die anderen Bewohnerinnen sind mit dieser Situation vertraut und können durch Gespräche und praktische Unterstützung entlastend zur Seite stehen.
Praktische Unterstützung
Der Verlust der gewohnten Lebenssituation bringt ein ganzes Bündel von Fragen und Problemen mit sich: Wie bekomme ich Geld? Werde ich vor Nachstellungen und Bedrohungen sicher sein? Können die Kinder in die bisherige Schule oder Kita gehen oder wie finde ich neue Betreuungsplätze für sie? Wie soll es überhaupt weiter gehen?
Für die Lösung all dieser oder anderer Fragen steht jeder Bewohnerin eine Frauenhausmitarbeiterin zur Seite. Als erstes werden gemeinsam alle Fragen aufgelistet und ihre Dringlichkeit sortiert. Nicht alles kann und muss sofort bewältigt werden. Es wird ein "Stufenplan" erstellt, der sich nach den Bedürfnissen und Ressourcen der jeweiligen Bewohnerin richtet. Als erstes wird in aller Regel gemeinsam die Beantragung der nötigen und möglichen finanziellen Mittel organisiert, persönliche Sachen werden aus der ehemaligen Wohnung geholt, rechtlicher Beistand wird bei Bedarf kontaktiert. In dieser Phase erhält die Frau eine intensive persönliche Begleitung. Sie entscheidet selbst, welche Dinge sie allein regeln kann und wobei sie Unterstützung braucht.
Alltagsbewältigung
Im Frauenhaus werden die Frauen dabei unterstützt, ihren Alltag aus eigener Kraft zu bewältigen. Das betrifft vor allem die Sorge für die Kinder, aber auch den Umgang mit dem Geld, die Freizeitgestaltung oder die Erhaltung der Gesundheit. Die Bewohnerinnen des Hauses unterstützen sich bei vielen kleinen Alltagsdingen gegenseitig und werden bei Bedarf von den Mitarbeiterinnen auch dabei angeleitet, Konflikte in der Gruppe angemessen anzusprechen und zu regeln.
Planung einer neuen Lebensperspektive
Grundsätzlich entscheidet jede Bewohnerin selbst, wie lange sie im Frauenhaus bleiben und wie sie ihr Leben danach gestalten möchte. Es kann sein, dass ein Zusammenleben mit dem misshandelnden Partner auf einer neuen, gewaltfreien Basis ausprobiert werden soll. In Gesprächen wird dazu erarbeitet, wobei darauf unbedingt geachtet werden soll, welche Grenzen gezogen werden müssen, in welchen Beratungsstellen Hilfe dazu gesucht werden kann. Wenn sich herausstellt, dass das Frauenhaus nicht das passende Hilfsangebot für eine Frau ist, wird gemeinsam nach einer alternativen Wohnmöglichkeit gesucht. Steht die Entscheidung der endgültigen Trennung vom gewalttätigen Partner fest, wird gemeinsam nach einer Wohnung gesucht. Es ist möglich die ehemalige gemeinsame Wohnung allein zu bewohnen oder eine neue Wohnung zu suchen. Alle damit verbundenen Fragen und Probleme können mit der Mitarbeiterin besprochen werden. Wir unterstützen ebenfalls bei der Beantragung von Geldern für eine neue Wohnung sowie bei der Einrichtung und beim Umzug.
