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03. 02. 2012 09:25 | Alter: 105 Tage

Vernachlässigung Nährboden für sexualisierte Gewalt

Im Jahr 2011 unterstützten die Mitarbeiterinnen in den Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern 538 von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder und Erwachsene (2010: 551).

336 Erwachsene - überwiegend Frauen (2010: 326), sowie 202 betroffene Mädchen und Jungen (2010: 225) suchten letztes Jahr Hilfe, Beratung und Begleitung in unserem Bundesland.

Rückblickend auf das Jahr 2011 weisen die Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt insbesondere auf die Notwendigkeit von Prävention, traumatherapeutischen Angeboten und auf die Wichtigkeit der Information der Öffentlichkeit über sexualisierte Gewalt hin. Das öffentliche Bild über sexualisierte Gewalt ist immer noch in starkem Maße von der Vorstellung eines fremden „Sextäters“ oder „Kinderschänders“ geprägt. Dieses Bild müsse dahingehend korrigiert werden, dass die Gewalt häufig durch Täter aus dem sozialen Nahraum ausgeübt wird, mit den entsprechenden Folgen für die Betroffenen.

Neben den schwerwiegenden Erfahrungen sexualisierter Gewalt sind die Biographien von KlientInnen häufig auch durch fehlende emotionale Zuwendung innerhalb der Familie oder der Unfähigkeit von Eltern, angemessen auf die Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen des Kindes zu reagieren, geprägt. Solch ein Klima der Vernachlässigung und Grenzverletzung  bietet einen guten Nährboden für sexualisierte Gewalt. Täter oder Täterinnen nutzen dieses Klima aus, indem sie gekonnt an der Bedürftigkeit ihrer Opfer ansetzen.

Für die inhaltliche Arbeit der Beratungsstellen bedeutet dies, dass die Entwicklung von Erziehungskompetenzen, die Vermittlung von Grundlagen pädagogischen Handelns und einer reflektierten Haltung zu Sexualität ebenso wie die Förderung einer wertschätzenden und vertrauensvollen Kommunikationskultur wichtige Aspekte sind, die einen nachhaltigen Schutz vor sexualisierter Gewalt fördern. So sind wichtige AdressatInnen des Angebots der Fachberatungsstellen eben auch private und professionelle UnterstützerInnen von Betroffenen.

Besonders deutlich wird in der Praxis, dass sexualisierte Gewalt insbesondere durch die Ausnutzung von Machtgefällen möglich wird, beispielsweise zwischen Erwachsenen und Kindern, Männern und Frauen, zwischen Kindern und Jugendlichen, Jungen und Mädchen. Sexualität wird dabei gezielt als Mittel zur Diskriminierung, Demütigung und Unterdrückung eingesetzt. Dies muss in der Präventionsarbeit Berücksichtigung finden.

In Mecklenburg-Vorpommern bieten fünf Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Schwerin, Rostock, Greifswald, Neubrandenburg und Bergen kostenfreie und vertrauliche Beratung und Hilfe für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte an.

Hier geht es zu den Adressen der Beratungsstellen.

Information der Landesarbeitsgemeinschaft der Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern und der Landeskoordinierungsstelle CORA

 

 



Frauen helfen Frauen e.V. Geschäftsstelle

Tel. 0381 44 03 077