Sexualisierte Gewalt


Sexualisierte Gewalt bezeichnet jede Handlung, die das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung eines Menschen verletzt. Der Begriff „sexualisiert“ verdeutlicht, dass sexuelle Handlungen instrumentalisiert werden, um Macht und Gewalt auszuüben. Zu diesen Handlungen zählen neben den im Strafgesetzbuch (§§174 bis 184f) festgeschriebenen Straftatbeständen beispielsweise auch anzügliche Blicke, herabwürdigende Kommentare und die Aufforderung zu sexuellen Handlungen sowie unerwünschte Berührungen.

Auch strafrechtlich nicht relevante Formen sexualisierter Gewalt können Betroffene in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Würde erheblich verletzen.

Sexualisierte Gewalt setzt ein Machtgefälle voraus, das beispielsweise durch Altersunterschiede, durch physische, psychische oder kognitive Unterlegenheit oder durch Abhängigkeitsbeziehungen entsteht.

 

Die Symptome, die sich in Folge einer sexualisierten Gewalterfahrung zeigen können, sind sehr vielfältig und in der Regel unspezifisch. Sie stellen zunächst einmal Versuche dar, die traumatische Erfahrung zu bewältigen. Sie sind von daher als normale Reaktionen auf ein außergewöhnlich bedrohliches Ereignis zu verstehen. Wenn aber wegen der Schwere der Gewalterfahrung, der besonderen Beziehung zum Täter/zur Täterin oder aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen ein Verarbeitungsprozess nicht in Gang gesetzt werden kann, können diese Symptome das Leben Betroffener nachhaltig negativ beeinflussen.

Problematisch für Betroffene ist, dass die beschriebenen Folgen von der Umwelt häufig zwar durchaus wahrgenommen werden, aber nicht als möglicher Hinweis oder als Reaktion auf eine traumatische Erfahrung verstanden werden. Nicht selten erfahren Betroffene eher eine Stigmatisierung als „auffällig“ oder „komisch“.

Vielen Betroffenen ist es nicht ohne weiteres möglich, über die Erfahrung sexualisierter Gewalt zu sprechen. Das hängt nicht nur mit häufig auftretenden intensiven Schuld- und Schamgefühlen zusammen, sondern auch mit der Art und Weise wie unser Gehirn traumatische Ereignisse verarbeitet. Dabei kann es durchaus zu einer auf das Trauma bezogenen Blockade im Sprachzentrum kommen, die im wahrsten Sinne des Wortes „sprachlos“ macht. Auch kann unsere Psyche uns auch vor überfordernden Belastungen schützen, indem das betreffende Ereignis aus dem Bewußtsein verdrängt wird und somit nicht mehr erinnerbar ist. So kann es sein, dass Betroffene zunächst keine Verbindung zwischen den belastenden Symptomen und einem möglicherweise traumatisierenden Erlebnis in der Vergangenheit herstellen.

 

Sexualisierte Gewalt setzt ein Machtgefälle voraus, das beispielsweise durch physische, psychische oder kognitive Unterlegenheit oder durch Abhängigkeitsbeziehungen entsteht. So besteht für Kinder und Jugendliche ein besonderes Risiko von sexualisierter Gewalt betroffen zu sein. Da 75-80% der sexuellen Übergriffe gegen Kinder durch Menschen verübt werden, die den Kindern bekannt sind, ist die emotionale und z.T. auch existentielle Abhängigkeit dieser sehr hoch.

Täter*innen handeln in der Regel geplant und strategisch. Sie manipulieren ihr Umfeld, die Bezugspersonen der Kinder sowie die Kinder selbst. Sie suchen gezielt nach Schwächen und Bedürfnissen von Kindern und nutzen diese beim Aufbau von Beziehung und Abhängigkeit. Häufig sind dies emotionale Bedürfnisse wie der Wunsch nach Nähe, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Aber auch materielle Anreize (Geld, Geschenke, attraktive Freizeitangebote) werden genutzt, um Kinder an sich zu binden. Beim Verüben von Übergriffen überschreiten Täter*innen schrittweise die Grenzen der Kinder und manipulieren deren Wahrnehmung.

Von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder werden häufig unter Geheimhaltungsdruck gesetzt. Täter*innen nutzen dabei Schuld-und Schamgefühle der Kinder aus, reden ihnen eine Mitschuld ein und/oder setzen sie gezielt mittels Drohungen unter Druck. Betroffene Kinder befinden sich dann im Dilemma von Selbstzweifeln, Ohmachtsgefühlen und Loyalitätskonflikten, die es ihnen schwer bis unmöglich machen, sich jemandem anzuvertrauen.

Beratung und Unterstützung erhalten Betroffene und deren Angehörige sowie Fachkräfte in den Einrichtungen des Hilfenetzes M-V.

Telefonische Beratung sowie E-Mail-Beratung können Sie außerdem über das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch unter 0800 - 22 55 530 erhalten

Täglich rund um die Uhr erreichbar ist die kostenfreie Hotline des Bundesweiten Hilfetelefons unter 08000 - 116 016. Hier erhalten Sie bei Bedarf auch Informationen zu unterstützenden Einrichtungen in Ihrer Region.


Jugendliche können die Online- & Telefonberatung von Save me online nutzen

Weitere Informationen finden Sie auf/über:

www.myblackandwhitelife.de

"My Black and White Life" ist der Name des Blogs einer Klientin der Fachberatungsstelle, in dem sie über ihre Erfahrungen und ihren ganz persönlichen Umgang mit Borderline, Trauma und Depressionen berichtet. Besonders aber auch darüber, dass es trotz dieser besonderen Herausforderungen möglich ist, das Leben zu meistern.