Stalking


Der englische Begriff „to stalk“ stammt aus der Jägersprache und bedeutet „pirschen, sich heranpirschen, sich anschleichen“.

 

Es wird darunter das wiederholte (zwanghafte) Belästigen oder Verfolgen einer anderen Person über einen längeren Zeitraum verstanden, welches als bedrohlich wahrgenommen wird und gegen den Willen der Betroffenen geschieht. Stalking ist eine Verhaltensweise, die auf die Beeinträchtigung des Verhaltens einer anderen Person abzielt, die von den Geschädigten als unerwünscht wahrgenommen werden und Angst, Sorge und Panik auslösen. Dabei handelt es sich um eine vorsätzliche, widerrechtliche Verletzung der Rechtsgüter Körper, Gesundheit und Freiheit. Stalking wird durch ein komplexes Täterverhalten geprägt (Vgl. dazu Voß, W. und Hoffmann, J: „Zur Phänomenologie und Psychologie des Stalkings“ In: Polizei und Wissenschaft 4/2002, S. 4-14).

Zu den belästigenden Stalkinghandlungen gehören u.a.: Telefonanrufe zu allen Tageszeiten, ständige Präsenz in der Nähe der Zielperson, Kontaktaufnahme durch Briefe, SMS, WhatsApp, E-Mail, Nachlaufen, Einbezug des sozialen Umfelds, Drohungen, Missbrauch der elterlichen Rechte, um in den Alltag der Zielperson einzugreifen.

Auswirkungen von Stalking auf Betroffene, nach Wondrack, TU Darmstadt (Betroffenenbefragung via Internet):

  • Angst (92%), 25% der Befragten auch nach Beendigung des Stalkings

  • Misstrauen (Veränderungen im Umgang mit anderen; 66%)

  • Sozialer Rückzug, Isolation, Verfolgungsängste, erhöhte Wachsamkeit (über 50%)

  • Veränderung im Freizeitverhalten (31%)

  • Selbstschutzmaßnahmen (27%)

  • Umzug (22%)

  • Berufliche Veränderungen (15%)

  • Arbeitsplatzwechsel (9%)

  • Totalaufgabe der sozialen Kontakte (social death)

Kinder werden direkt in das Stalking-Verhalten einbezogen, wenn die betroffenen Elternteile sich zurückziehen. Wie das umgesetzt wird, hat Dr. Lena Stadler (2009) zusammengetragen:

  • Instrumentalisierung des Kindes als Nachrichtenübermittler / Informant
  • Kind ständig bei der Mutter anrufen lassen
  • Manipulation / Erzwingen von Mitleid beim Kind, Bestechungen
  • Diskreditieren der Mutter
  • Abfangen auf dem Schulweg, unerlaubtes Abholen, Beobachtung
  • Drohung mit Kindesentführung, verspätetes Zurückbringen
  • Andere über das Kind ausfragen, Kontaktierung von Freunden

Kinder in solchen Situationen sind hohen Belastungen ausgesetzt. Es ist schwer für sie die Situation einzuschätzen, was Ängste und Loyalitätskonflikte verursachen kann. Außerdem besteht bei einem derartigen Elternkonflikt die Gefahr, dass die Belange des Kindes nicht mehr gesehen werden und die Elternteile für das Kind nicht verfügbar sind.

Belastungen in dieser Form können soziale Konsequenzen, psychosomatische und emotionale Auswirkungen sowie schulische Probleme hervorrufen.

Sie sollten sich frühzeitig gegen das Verhalten des Stalkers oder der Stalkerin schützen und Hilfe in Anspruch nehmen. Jeder Stalkingfall ist einzigartig und folgt einer eigenen Dynamik. Suchen Sie daher Unterstützung in einer Einrichtung zu häuslicher Gewalt und Stalking in ihrer Region. Sie erhalten dort eine umfassende Beratung zu Verhaltensalternativen und Eigenschutzmaßnahmen, rechtlichen Schutzanträgen sowie den Möglichkeiten polizeilichen Einschreitens.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Unterstützung und Beratung erhalten Betroffene und deren Angehörige sowie Fachkräfte in unseren Einrichtungen sowie im gesamten Hilfenetz M-V.

Broschüre "Stalking - Hinweise und Empfehlungen für Behörden, Einrichtungen und Organisationen"

Kurzfilm "Wenn Liebe zur Bedrohung wird"

Literaturhinweis - Lena Stadler 2009

"Ex-Partner-Stalking im Kontext familienrechtlicher Auseinandersetzungen: Konsequenzen für die Kinder und Handlungsoptionen für beteiligte professionelle Akteure"