Häusliche Gewalt Hauptfaktor bei Eskalation
13.01.2012

Dramatische Fälle mit Todesfolge bei häuslicher Gewalt innerhalb kurzer Zeit in Mecklenburg-Vorpommer

Viele Menschen sind durch die aktuellen Vorfälle schockiert, alarmiert und machen sich
Sorgen und haben Fragen.

Die Tötung der (Ex-)Partnerin ist in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern zum Glück ein seltenes Ereignis. Häusliche Gewalt muss jedoch als ein Hauptfaktor bei der Eskalation von tödlich endenden Partnerkonflikten angesehen werden. Sie trifft dabei vor allem Frauen (über 90% der Opfer). Gewalt, die Männer erleiden, findet zu einem überwiegenden Teil Gewalt außerhalb der Paarbeziehung statt.

Anzeichen für häusliche Gewalt sind häufig Beleidigungen, Demütigungen, Einschüchterung, die Kontrolle täglicher Aktivitäten der (Ex-)Partnerin. Ausgeprägte Eifersucht und Besitzansprüche („Wenn ich Dich nicht haben kann, dann soll Dich auch kein anderer haben“), Verfolgung, Drohungen, bei Trennungsabsichten den Kindern „etwas anzutun“...

Über verschiedene „leichtere“ Vorfälle wie Anschreien, Beschimpfen, Ignorieren, Ohrfeigen etc. baut sich häufig über einen längeren Zeitraum eine sehr belastende Spannung in der Beziehung auf. In dieser Phase bemühen sich viele Betroffene häuslicher Gewalt, es dem Gewalttäter möglichst recht zu machen, um keinen Anlass für Auseinandersetzungen und Wutanfälle zu geben. Dennoch können sie den Gewaltausbruch des Gewalttäters nicht verhindern: es kommt zu einer unberechenbaren Entladung der Gewalt. Hier erfolgen die meisten Polizeieinsätze.

Nach der Gewaltanwendung löst sich die Spannung und der Gewalttäter gibt häufig an,
seine Tat zu bereuen, gelobt Besserung und es gelingt ihm nicht selten, die Partnerin davonzu überzeugen.

Nach einer Versöhnungsphase kommt es häufig wieder zum Anstieg der Spannung und evtl. sogar zu einer verstärkten Eskalation der Gewalt. Die finanzielle und emotionale
Abhängigkeit vom Partner, gemeinsame Kinder, Mitleid und die Hoffnung auf Besserung
erschweren oft die Trennung vom Partner.

Viele Frauen schämen sich zudem, dass sie der Gewalt durch den Partner ausgesetzt sind
und nicht selbst eine Lösung gefunden haben. Es ist deshalb wichtig, dass familiäre Gewalt nicht als Privatsache abgetan wird. Häusliche Gewalt ist kein seltenes Einzelschicksal und keine einfache Familienstreitigkeit.

Familie, Nachbarn, Freunde und ArbeitskollegInnen können die Betroffenen wirksam unterstützen, Hilfe und Schutz organisieren und dem Gewalttäter deutlich machen, dass die Gewalt nicht akzeptiert wird.

Die Landeskoordinierungstelle CORA weist deshalb darauf hin, dass sich nicht nur Betroffene von häuslicher Gewalt, sondern auch Bekannte, Nachbarn und Angehörige mit ihren Sorgen und Fragen an das Hilfe- und Beratungsnetz bei häuslicher sexualisierter Gewalt wenden können.

Schutz- und Zuflucht, Informationen, psychosoziale Beratung und Betreuung bieten die örtlichen Frauenhäuser, Kontakt- und Beratungsstellen für Betroffene häuslicher Gewalt, Fachberatungsstellen für Betroffene sexualisierter Gewalt, Interventionsstellen und Kinder und Jugendberatungsstellen sowie Täterberatungsstellen.

Die Beratungen sind vertraulich, kostenfrei und anonym.

Kontaktdaten aller Einrichtungen in M-V sind zu finden auf der Homepage der Landesregierung M-V.

Auf dem 8. Fachforum der Frauenhauskoordinierung (29. Juni bis zum 1. Juli 2011) wurde in Foren über die Professionalisierung des Sicherheitsmanagements für gewaltbetroffene Frauen diskutiert. Zwei Vorträge (Ute Rösemann und Kornelia Krieger; Ute Rösemann und Patricia Schneider) befinden sich unten stehend zum Download.

Die 11. CORAkutell aus 2006 hatte das Schwerpunktthema "Partnertötungen", hier die Datei: